Eine Goldgrube für Ideen

Computer-game developers have skills that can help in creating user-friendly interfaces for certain applications in real-world mining.

Angesichts der immer rascher fortschreitenden Entwicklung suchen Unternehmen nach neuen Innovationsquellen. So können Computerspiel-Entwickler plötzlich für Sandvik interessant sein.

In allen Teilen der Welt verändert die Digitalisierung Industrien und Gesellschaften. Der Bergbau macht da keinen Ausnahme. Neue Technologien, darunter elektrifizierte Fahrzeuge und WLAN-fähige Ausrüstung, ermöglichen neue Lösungen für Erkundung und Abbau, die gleichzeitig die Sicherheit erhöhen, die Produktivität steigern und die Nachhaltigkeit verbessern.

Wenn es um Sicherheit und Produktivität geht, ist es unsere Aufgabe, Kunden den Wert von Innovationen vor Augen zu führen

Wer die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen will, muss bereit sein, Fähigkeiten und Kompetenzen aus unerwarteter Richtung in Anspruch zu nehmen, meint Miika Kaski, der bei Sandvik Mining & Rock Technology im Bereich Forschung und Technologieentwicklung tätig ist.

„Wir beobachten zurzeit, dass die traditionelle Maschinenbauindustrie von einer Digitalisierungswelle überrollt wird“, sagt er. „Der Bergbau ist ein altes Handwerk. Hier erfordert die Digitalisierung möglicherweise ein völliges Umdenken.“

Kaski zufolge war die Bergbauindustrie immer eine konservative Branche mit gemächlichem Innovations- und Veränderungstempo.

„Plötzlich werden für uns Computerspiel-Entwickler interessant“, erklärt er. „Sie können zum Beispiel für bestimmte Funktionalitäten benutzerfreundliche Bedienoberflächen schaffen. Diese Kompetenz brauchen wir, um voranzukommen.“

Die Innovation als solche bleibt im Wesentlichen dieselbe. Es geht darum, clevere Leute zusammenzubringen, damit sie ihre Ideen weiterentwickeln“, so Kaski.

Ideenschmiede gab neue Perspektiven für Digitalisierung

Die Frage ist also, wie man die Leute findet, deren Ideen den Bergbau mit Hilfe von digitalen Konzepten einen Schritt weiter bringen könnten? Indem man zum Beispiel einen Ideen-Workshop arrangiert, so wie Sandvik es in finnischen Tampere vor Kurzem getan hat.

„Zweck des Events war, kleine Startups und mittelständische Unternehmen an einen Tisch zu bringen, um die Weichen für unsere Zukunft im Bereich der Digitalisierung zu stellen“, fährt Kaski fort. „Sie sollten neue Denkansätze für vernetzte Ausrüstung, Datenanalyse und Prozessoptimierung in Anlehnung an unsere digitale Strategie präsentieren.“

Der Aufforderung folgten mehr Interessenten, als Sandvik unterbringen konnte. Sämtliche Präsentationen mussten vorab geprüft werden, um die 26 Beiträge für die Endrunde auszuwählen. Kaski war mit der Qualität der Beiträge hochzufrieden. „Nicht alle Vorschläge waren gleichermaßen relevant für uns, aber jeder gab uns Denkanstöße und vermittelte uns einen Eindruck davon, was in anderen Branchen in puncto Digitalisierung zurzeit geschieht.“

Co-Creation – ein Schlüsselbegriff für Weiterentwicklung

Neben Events wie dem Ideen-Workshop baut Sandvik auf die weltweite Zusammenarbeit mit Hochschulen und externen Forschungseinrichtungen als Ergänzung zu den eigenen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen und Möglichkeit für einen fruchtbaren Gedankenaustausch.

Die Verknüpfung von Innovation und Vermarktung ist für Sandvik von zentraler Bedeutung.

„Sandvik kann nicht alles im eigenen Unternehmen produzieren, deshalb ist Ko-Kreativität für uns umso wichtiger.“, betont Kaski. „Es gilt zu entscheiden, was wir selbst machen und was wir auslagern wollen. Zunächst müssen wir bestimmen, welche Art von Innovationen wir anstreben, und dann geeignete Ökosysteme und Netzwerke um diese Themen herum aufbauen. Wir kennen natürlich unser Kerngeschäft und verfügen in unserem Unternehmen über bestimmte Ressourcen und Fähigkeiten. Allerdings brauchen wir in unserem Innovations-Ökosystem und -Netzwerk auch zunehmend Kompetenzen außerhalb unseres Kerngeschäfts.“

Die Schulung der externen Partner ist von zentraler Bedeutung, um relevante und wünschenswerte Innovationsergebnisse zu erzielen, fährt Kaski fort.

„Wir müssen unsere externen Partner in der Praxis ausbilden, damit sie einen Beitrag leisten können“, meint er. „Sie benötigen Hintergrundinformationen, um unsere Bedürfnisse, Anwendungen und Kundenprozesse zu verstehen. Wie sollten sie bessere Lösungen vorschlagen, wenn sie nicht wissen, wie die aktuellen aussehen?“

Innovation und Vermarktung müssen zusammenhänge

Wenn Sandvik externe Partner zu einer Innovations- und Forschungszusammenarbeit einlädt, muss hundertprozentige Diskretion gewährleistet sein. Nur so lässt sich ein offenes und ehrliches Klima schaffen, kommentiert Kaski. Ein weiterer Punkt ist, dass Innovation auch unter Vermarktungsgesichtspunkten die Mühe wert sein muss, selbst wenn sie an sich schon wertvoll erscheint:

„Die Verbindung von Innovation und Vermarktung ist ganz wichtig“, unterstreicht Kaski und erklärt, dass Sandvik laufende Innovationsprojekte mit dem Technology Readiness Level (TRL) bewertet.

„Es ist eine Skala mit verschiedenen Zahlen und Ebenen, die den technologischen Reifegrad symbolisieren“, erläutert er. „Wir verwenden sie, um technische Risiken zu begrenzen und finanzielle Mittel richtig zu verteilen.“

Die Skala reicht von 1 bis 10. Kaski zufolge kann ab Niveau 7 für die Integration der neuen Technologie in vorhandene Produkte und Komponenten grünes Licht gegeben werden.

Das TRL-Instrument stellt sicher, dass der Zusammenhang zwischen Technologie und Marktreife stets berücksichtigt wird, und gewährleistet ein geringes Flop-Risiko. „Es ist ein sehr solider Prozess, auf den Sandvik stolz sein kann“, kommentiert Kaski.

Die Anerkennung als Technologieführer und echter Innovator stärkt Sandviks Glaubwürdigkeit.

Sandvik will neue Technologie vorantreiben

Innovation ist seit der Gründung von Sandvik vor 156 Jahren ein zentraler Erfolgsfaktor für das Unternehmen.

„Technologieführer zu sein und in unseren ausgewählten Märkten an erster oder zweiter Stelle zu stehen, ist eine Säule unserer Strategie. Allerdings ist eine Technologieführerschaft ohne kontinuierliche Innovation nicht möglich“, so Kaski.

Die Anerkennung als Technologieführer und echter Innovator stärkt Sandviks Glaubwürdigkeit und ermöglicht dem Unternehmen, neue Technologien aktiv voranzutreiben (Push-Strategie), anstatt sich an der Nachfrage der Kunden, die nach neuen Lösungen suchen, zu orientieren (Pull-Strategie). Kaski nennt Apples iPad als Beispiel für eine erfolgreiche Push-Strategie.

„Keinem war bewusst, dass er ein iPad haben wollte, bis es auf den Markt kam“, sagt er. „Sandvik ist ebenfalls in der Lage, Kunden von Innovationen zu überzeugen, von denen sie nicht wussten, dass sie sie brauchen. Und wir haben die Glaubwürdigkeit, um erfolgreich zu sein.“

Hinter der Verfolgung einer Push-Strategie stecken auch andere Gründe, ergänzt Kaski. „Wenn es um Sicherheit und Produktivität geht, ist es unsere Aufgabe, Kunden den Wert von Innovationen vor Augen zu führen und ein Geschäftsszenario zu erstellen. Ein Beispiel ist die Einführung unserer elektrifizierten Grubenausrüstung mit Batterieantrieb 2016 in Las Vegas, eine Innovation, die zunächst auf Skepsis stieß.“

Aber Sandvik setzte sich aktiv dafür ein. „Wir hatten dem Markt etwas zu bieten, das Sandviks Technologieführerschaft unterstrich“, erinnert sich Kaski. „Ein Jahr später kam die Nachfrage in Schwung. Nun ist der Markt bereit für eine Neuerung, an der wir jahrelang geforscht haben.“

Innovation muss Mehrwert schaffen

Laut Kaski messen sich die innovativsten Unternehmen der Welt alle an der Frage, inwieweit es ihnen gelingt, ihre Kunden vom Wert ihrer Innovationen zu überzeugen.

„Es sind nicht notwendigerweise diejenigen, die das meiste Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben“, erklärt er, „aber sie sind am besten darin, Innovation und Unternehmensstrategie miteinander in Einklang zu bringen, denn diese beiden Dinge sind eng miteinander verknüpft.“