Elektrisierende Möglichkeiten für die Autoindustrie

Nissan Motor helps electrifying the European automotive sector with its next-generation battery-powered Leaf sedan.

Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Prognosen zufolge sollen Elektrofahrzeuge in Zukunft einen großen Anteil des Marktes ausmachen. „Es wird definitiv so kommen, aber nicht über Nacht", sagt Eduardo Debone von Sandvik. Seiner Meinung nach stellt der Vormarsch der Elektromobilität und vor allem der Hybrid-Technologie ein gewaltiges Geschäftspotenzial für Zulieferer der Automobilindustrie dar.

Anfang 2017 prognostizierte der globale Finanzdienstleister Morgan Stanley, dass bis 2050 eine Milliarde Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen unterwegs sein werden. Etwa ab 2020 wird ihr Marktanteil stetig wachsen. Dem Bericht zufolge werden 2030 Elektrofahrzeuge 16 Prozent des Automobilabsatzes ausmachen, ein Anteil, der bis 2050 auf 69 Prozent ansteigen soll.

Ohne staatliche Gesetzesinitiativen wird dieses Wachstum nicht zu erreichen sein. Immer mehr Länder schaffen Anreize für die Nutzung von Zukunftstechnologien wie die der Elektromobilität. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens 2015, mit dem der Temperaturanstieg auf 1,5° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll, sind Schritte in diese Richtung überall zu beobachten.

Klare Absichtserklärung

Der Bundesrat fasste 2016 den Beschluss, ab 2030 keine neuen Benzin- und Dieselautos mehr auf Europas Straßen zuzulassen. Nach diesem Zeitpunkt dürfen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden. Der Beschluss ist eine klare Absichtserklärung, auch wenn er nicht bindend ist und einer Genehmigung des Europäischen Rates bedarf.

Im Juli 2017 verkündete die neue französische Regierung von Emmanuel Macron ihre eigenen Pläne zum Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen bis 2040 in Übereinstimmung mit dem Pariser Vertrag. Am Tag zuvor hatte Volvo bekanntgegeben, ab 2019 nur noch vollelektrische oder Hybridautos herzustellen.

Zwischenzeitlich haben die Regierungen zahlreicher Länder von China, Indien und Japan bis zu den Niederlanden und Norwegen ähnliche Pläne verlauten lassen.

Ich werde jede Woche gefragt, ob Elektroautos eine Bedrohung für unser Geschäft sind

Für Zulieferer der konventionellen Autoindustrie wie Sandvik würde dieser Trend eine rückläufige Entwicklung bei der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen rund um den Verbrennungsmotor bedeuten.

Für Eduardo Debone, Leiter der Automobilsparte von Sandvik Coromant, haben diese Aussichten jedoch durchaus auch positive Aspekte.

Eduardo Debone, Leiter der Automobilsparte bei Sandvik

„Ich werde jede Woche gefragt, ob Elektroautos eine Bedrohung für unser Geschäft sind. Meine Antwort lautet, dass diese neuen Plattformen kurz- bis mittelfristig sogar Geschäftsmöglichkeiten für Sandvik bieten“, kommentiert er.

Geschäftspotenzial durch Elektrifizierung

Sandvik untersucht zurzeit eingehend die Effekte der Elektrifizierung, und die bisherigen Ergebnisse bestätigen: In den kommenden Jahren werden sich daraus neue Geschäftsmöglichkeiten in beträchtlichem Umfang ergeben. „Im Moment sind Hybrid-Fahrzeuge die interessanteste Alternative. Sie haben ein enormes Potenzial zur Einsparung von CO2-Emissionen, ohne dass ein totaler Paradigmenwechsel bei Technologie und Infrastruktur erforderlich wäre“, erklärt Debone.

Obwohl Elektroautos zweifellos auf dem Vormarsch sind, stehen der endgültigen Verdrängung von Fahrzeugen mit herkömmlichen Antrieben immer noch Hindernisse im Wege. Der Preis ist für viele Verbraucher ein Problem. Hinzu kommt die Ladedauer von rund 30 Minuten und die variierende Reichweite. Zudem ist die Kapazität des derzeitigen Stromnetzes nicht für einen Massenbetrieb von Elektrofahrzeugen ausgelegt.

„Norwegen ist weltweit einer der am besten ausgebauten Märkte für Elektromobilität. Mit einem stabilen Stromnetz, das nur fünf Millionen Einwohner versorgen muss, macht das auch Sinn“, so Debone. „In Städten wie São Paulo oder Neu-Delhi mit jeweils rund 20 Millionen Einwohnern und einer Stromversorgung, die knapp für den täglichen Bedarf der Bevölkerung ausreicht, ist das eine völlig andere Sache.“

Rosige Zukunft

Debone ist davon überzeugt, dass der wachsende Trend der Hybridfahrzeuge es den Zulieferern der Automobilindustrie in den nächsten fünf bis zehn Jahren ermöglichen wird, die gleichen Teile, technischen Lösungen und Komponenten bereitzustellen wie bisher plus einige neue. „Für Hybridfahrzeuge braucht man dieselben Komponenten wie für Autos mit Verbrennungsmotor sowie einige neue Bauteile für die Hybridtechnik“, sagt er.

Sandvik steht also mit der Elektrifizierung eine rosige Zukunft bevor.

„Wenn es irgendwann reine Elektroautos in großem Stil gibt, werden wir über ein ausgereiftes Angebot für viele Bereiche wie etwa die digitale oder die additive Fertigung verfügen“, glaubt Debone.

Im Moment gibt es noch keine echte Alternative zu fossilen Brennstoffen

„Ich denke, auf lange Sicht wird die Brennstoffzelle als Ergänzung zu Batterien und Verbrennungsmotoren eine mögliche Lösung sein. Bis dahin müssen die verschiedenen Technologien reifen. Im Moment gibt es noch keine echte Alternative zu fossilen Brennstoffen“, schließt Debone.