Sandvik revolutioniert die Drehtechnik

The method PrimeTurning™ allows turning in all directions, which eliminates a problem that has haunted the manufacturing industry for years.

Echte Innovationen sind selten und wenn sie sich ereignen, dann in der Regel als Ergebnis harter Arbeit, profunden Wissens und rückhaltlosen Engagements. Das neue Drehverfahren PrimeTurning™ ist eine solche Innovation und hat das Potenzial, die Kunst des Drehens von Grund auf zu revolutionieren.

Bei herkömmlichen Drehverfahren bewegt sich ein nicht-drehendes Werkzeug vom Ende des sich drehenden Werkstücks her in Richtung Spannfutter und hebt dabei Späne vom Werkstück ab. Dabei gilt, je kleiner der Vorschubrichtungswinkel, also der Winkel zwischen Schneidkante und Vorschubrichtung, desto mehr Vorschub ist möglich. Und das bedeutet höhere Produktivität. Jeder erfahrene Dreher weiß das.

Ein kleiner Vorschubrichtungswinkel jedoch verhindert, dass die Schneidkante die Schulter erreicht, und es entstehen lange, gewölbte, schwer kontrollierbare Späne. Dieser Zusammenhang zwischen Vorschubrichtungswinkel und Produktivität galt als unumstößliche Tatsache. Bis jetzt.

Krister Wikblad, Ronnie Löf, Joe Truong and Adam Johansson at Sandvik Coromant have redefined the art of turning by questioning established facts and acting on their innovative ideas.

Anerkannte Wahrheiten auf dem Prüfstand

Als Adam Johansson 2012 in der F&E-Abteilung von Sandvik Coromant seine erste Stelle als Ingenieur antrat, war Ronnie Löf schon seit fast 20 Jahren für das Unternehmen tätig. Aber trotz aller Unterschiede in Alter, Wissen und Erfahrung verband die beiden eine ausgeprägte Neugier samt dem Mut, anerkannte Wahrheiten auf den Prüfstand zu stellen.

Im Herbst 2012 gingen die beiden Ingenieure daran, das Dilemma zwischen Vorschubrichtungswinkel und Erreichbarkeit der Schulter zu diskutieren. Schon bald begann eine scheinbar weit hergeholte Idee Gestalt anzunehmen und ihre Diskussionen wurden intensiver. Die Idee klang simpel – einfach die Arbeitsrichtung umzukehren, vom Spannfutter zum Ende des Werkstücks. Damit wäre das Problem der Erreichbarkeit der Schulter bei kleinem Vorschubrichtungswinkel ein für allemal gelöst. Ganz einfach? Ja, theoretisch.

„In der Zerspanungstechnik werden die Späne seit Jahrhunderten vom Werkstückende zur Schulter hin abgetrennt“, so Johansson. „Jeder kompetente Dreher kann aus dem Stegreif eine imponierende Liste von Argumenten anführen, warum eine Bearbeitung in Gegenrichtung absolut unrealistisch ist.“

Neues Drehverfahren erlaubt Bearbeitung in allen Richtungen

Die Spankontrolle ist das wichtigste dieser Argumente, denn bei einem kleinen Vorschubrichtungswinkel entstehen unabhängig von der Drehrichtung lange, gewölbte Späne. Löf und Johansson machten sich daran, das Problem zu lösen und hatten Erfolg – zusammen mit zwei aufgeschlossenen, engagierten Designern, Joe Truong und Krister Wikblad. Als 2015 der Produktmanager Håkan Ericksson hinzukam, intensivierte das Team die Gespräche mit Kollegen, wichtigen Kunden und anderen Beteiligten und schon bald ging man daran, das neue Drehkonzept in größerem Umfang zu testen.

Wie sich bei den Tests zeigte, erzielt man bei der Großserienproduktion kompakter, fest arretierter Werkstücke die besten Ergebnisse. Das Besondere am PrimeTurning™-Drehverfahren ist die Möglichkeit der Bearbeitung in allen Richtungen. Das heißt, man kann vibrationsgefährdete Teile filigraner Werkstücke im herkömmlichen Drehverfahren mit den bekannten Produktivitätsergebnissen, stabile Werkstücke dagegen in umgekehrter Richtung bearbeiten – und dabei außerordentliche Produktivitätsvorteile erzielen.

„Angesichts einer Produktivitätssteigerung von über 50 Prozent, einer besseren Maschinennutzung und einer erheblich längeren Lebensdauer der Werkzeuge hat PrimeTurning™ ein enormes Potenzial“, so Löf. „Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht, aber nach all unseren Tests und den Kundenreaktionen habe ich ein richtig gutes Gefühl.“

Mehr über das neue Drehverfahren finden Sie auf der Webseite von Sandvik Coromant